Zielgruppe
Wer fragt uns an?
Internat, Schüler- und Jugendwohnheim

Viele unserer Kinder und Jugendlichen leben seit längerer Zeit in einer belasteten familiären Situation. Ihre Eltern können aus verschiedenen Gründen ihre Erziehungsaufgaben nicht umfassend wahrnehmen. Sie sind z.B. mit einer Trennung, mit dem Verlust eines Partners, mit der Verarbeitung psychisch belastender Situationen, mit der Existenzsicherung der Familie zu sehr in Anspruch genommen.
Im Internat und im Schülerwohnheim können die Kinder und Jugendlichen sich wieder ihren Aufgaben als Schüler zuwenden. Viele hatten über längere Zeit hin nicht die Möglichkeit, sich ausreichend auf diesen Bereich zu konzentrieren. Sie arbeiten unter sorgsamer fachlicher Anleitung auf ihre Schulabschlüsse hin und lernen über ihre Fortschritte, sich auch wieder im sozialen Miteinander, im Alltag mit anderen Jugendlichen zu integrieren. Dies bedarf einer sorgsamen, kleinschrittigen Begleitung.
Die Schüler aus dem Schülerwohnheim besuchen Schulen in der Umgebung. Sie werden durch unsere pädagogischen Fachkräfte eng begleitet. Das umfasst auch unterstützende Unterrichtsbesuche in der aufnehmenden Schule, die Beratung der dortigen Lehrer und die intensive pädagogische Lernbegleitung.
Beispiele aus der Praxis
Unsere Internatsschüler besuchen das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Sie haben oft über längere Zeiten hin nicht am Schulunterricht teilnehmen können. Sie zeigten Verhaltensweisen, die eine Beschulung im größeren Klassenverband nicht möglich machten. Die damit verbundenen Symptome wie dauerhaftes Stören, Streiten, Provozieren und/oder die anhaltende Verweigerung des Schulbesuchs wurden in der Regel medizinisch auf eine mögliche organische Ursache hin abgeklärt.
Mit der Aufnahme unserer Schüler besteht zunächst unsere Aufgabe darin, die emotionalen Ursachen zu erfassen, die sie am Lernen hindern.
Ein junger Mensch, der sich von den Erwachsenen verstanden fühlt, fasst wieder Mut. Er lernt langsam Vertrauen aufzubauen und wagt sich auf dieser Grundlage an Aufgaben heran, die er sich bisher nicht zugetraut hat. Er lernt, in seinem Tempo seine Schritte zu machen und kann durch neue Erlebnisse bisherige Misserfolgserfahrungen korrigieren.
Lernen ist eine emotionale Handlung.
Wenn das Kind, der Jugendliche sich sicher und aufgehoben fühlt, wenn der Erwachsene ihn verstehen lernt, kann es wieder Vertrauen aufbauen. Vertrauen ist die Grundlage für jede dauerhafte und bleibende Lernerfahrung in jeder Hinsicht.
Leben ist Lernen.
Wir haben ein ganzheitliches Bildungs- und Erziehungskonzept. Erzieher und Lehrer tauschen sich täglich mehrfach aus. Das ist ein integrierter Bestandteil unserer Tagesgestaltung und für die Schüler wie für die Erwachsenen erlebbar.
Der Unterricht an unserem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung findet im Schwerpunkt am Vormittag statt. Er wird nach Absprache durch den pädagogischen Hintergrunddienst des Internats begleitet.
Wir sind ein kleines Internat mit überschaubaren klar geregelten Strukturen. Wir bieten vielfältige Möglichkeiten, individuell auf die Fähigkeiten des einzelnen Schülers einzugehen.
So sind z.B. die Klassenstufen in unserer Schule durchlässig. Es ist möglich, dass ein jüngerer Schüler, der dem Vergleich mit den Alterskollegen noch nicht standhält, vorübergehend in einer höheren Klassenstufe unterrichtet und nach individuellem Lernplan gefördert wird.
So ist es z.B. nach Absprache möglich, dass einzelne Schüler auch am Vormittag kleine Auszeiten vom Schulunterricht nehmen können. Sie übernehmen dann unter Anleitung Aufgaben in der Hauswirtschaft, bei unserem Hausmeister und/oder in der Betreuung unserer Hunde.
Die Aufgaben sind immer mit den Erziehern, den Lehrern und den Schülern besprochen. Sie sind zeitlich begrenzt und darauf angelegt, dass der Schüler sich wieder in seinen Klassenverband integrieren kann. Das Kind, der Jugendliche lernt, sich und seine aktuelle Gefühlslage wahrzunehmen. Statt auf sein symptomatisches und oft sozial wenig verträgliches Verhalten auszuweichen, wird er darin unterstützt, sich etwas Nützlichem zuzuwenden und sich damit wieder positiv in die Gemeinschaft einzubringen. Das stärkt neben seiner Selbstwahrnehmung auch seine soziale Kompetenz. Es hilft ihm, seine Fähigkeiten zu einem sozial verträglichen Umgang mit seinen Mitschülern auszubauen.
Die soziale Integration des Einzelnen ist eine wichtige Aufgabe in unserem Alltag. Viele unserer Unterstützungsangebote sind darauf angelegt, dass die Kinder und Jugendlichen wieder lernen, sich mit ihren Fähigkeiten wahrzunehmen. Sie fassen Mut und üben neue Umgangsformen mit Anderen ein. Sie entwickeln schrittweise das Gefühl, dass sie ihr Leben mitgestalten können. Sie lernen sich anders als durch ihre bisherigen sozialen Beeinträchtigungen zu erfahren.
Jede Krise bietet auch immer eine Chance für einen neuen Anfang.
Durch die Unterbringung im Internat oder im Schülerwohnheim leben die Kinder und Jugendlichen vorübergehend räumlich von ihrer Familie getrennt. Das bietet allen Familienmitgliedern die Möglichkeit, aus eingespielten Mustern herauszutreten und sich auf die Lösung der eigenen Lebensaufgaben zu konzentrieren. Mit der wachsenden individuellen Stabilität können die Familien wieder ruhiger und mit guter Perspektive zueinander finden. Das stärkt die gesamte Familie und verhindert präventiv individuelle und soziale Benachteiligungen.
Unsere individuellen Unterstützungsangebote stehen auch den Eltern offen. Unsere Schüler fahren in der Regel nur in den Schulferien nach Hause. An den Wochenenden sind die Familien eingeladen, sich in den Internatsalltag einzubringen und im Miteinander die Zusammenarbeit mit uns aufzubauen. Das Miteinander ist für alle bereichernd und bietet den Eltern die Möglichkeit, ihre Erfahrungen im Umgang mit dem eigenen Kind/Jugendlichen zu erweitern.
Die gemeinsame Ferienzeit bietet dann für die Familien die Gelegenheit, das Erlernte in einem überschaubaren Zeitfenster zu erproben und die Erfahrung wieder in den Internatsalltag einzubringen.