Aufnahmeverfahren

Gesetzliche Voraussetzungen
§§ 13 Abs. 1 und 13 Abs. 3 SGB VIII
Das Schülerwohnheim und das Internat werden nach den §§ 13 Abs. 1 und 13 Abs. 3 SGB VIII belegt. In diesem gesetzlichen Rahmen werden die Grundleistungen erbracht, die jedem Schüler zur Verfügung stehen und im Folgenden beschrieben sind.
§ 29 SGB VIII
In diesem rechtlichen Rahmen wird ebenfalls eine Grundleistung erbracht, die jedem Schüler zur Verfügung steht. Es sind gruppenpädagogische Angebote in Form der sozialen Gruppe. Das Leben und Lernen in kleinen und in größeren Teams zeichnet das Leben und Lernen in unserem Internat aus. Es verbindet die Schüler und es bereitet sie auf das spätere Arbeitsleben vor.Unsere soziale Gruppe ist eine fortlaufende Arbeit in Form von kleinen Betreuungseinheiten. Es sind konkrete inhaltliche Angebote mit handlungs- und erlebnisorientiertem Ansatz. Eine Schülergruppe umfasst maximal sechs Kinder und Jugendliche.
Die Teilnahme an der sozialen Gruppe wird in unserem Internat individuell gestaltet. Die Kinder können in einem strukturierten und für sie verlässlichen Rahmen lernen und ihre Freizeit genießen. Sie erleben, dass der Ewachsene sich Zeit für ihre persönlichen Fragen nimmt und ihnen hilft, ihre Möglichkeiten im Kontakt mit den anderen Kindern zu erweitern. Sie lernen wieder Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu entwickeln und erfahren in der angeleiteten und eng begleiteten Situation, dass sie über das Lernen hinaus auch das Zusammenleben mit ihren Mitschülern gestalten können.
Das sieht in der Praxis z.B. folgendermassen aus:
Nach dem Unterricht am Vormittag werden die Schüler zunächst von den Betreuern abgeholt. Gemeinsam wird die Gestaltung der verbleibenden Zeit bis zum Mittagessen besprochen. Die Betreuer achten auf ein ausgewogenes Maß an geregelter Alltagsbewältigung und Freizeitgestaltung. Unsere Schüler richten z.B. zunächst die Tische für das Mittagessen her. Sie lernen, wie der Tisch gedeckt, wie ein gemeinsames Essen schön vorbereitet wird. Sie dürfen auch in der Küche mithelfen und erfahren, dass ihre Mühe von den anderen Schülern gesehen wird.
Vor dem gemeinsamen Essen ist immer ausreichend Zeit für Freizeit und Bewegung. In kleinen Gruppen werden z.B. unsere Hunde gerne unter Anleitung und mit viel Sorgfalt spazieren geführt. Die Kinder und Jugendlichen lernen zuvor, was sie in der Unterstützung der Tiere beachten müssen. Für viele ist es das erste Mal, dass sie sich darüber Gedanken machen und echte Verantwortung für ein Tier übernehmen. Entsprechend werden die Erfahrungen nach besprochen. Die Kinder und Jugendlichen geben das erworbene Wissen gerne an andere weiter.

Nach dem Mittagessen und vor dem Beginn der Lernzeit gibt es weitere Freizeitangebote. Die Kinder und Jugendlichen beteiligen sich an der Gestaltung der Angebote; die Gruppen sind interessengeleitet und altersgemischt besucht. Jeden Mittag gibt es sportliche Aktivitäten auf unserem Gelände.
Die Gestaltung der Hausaufgabenbetreuung und der Lernzeit sind ein weiterer zentraler Bestandteil unserer sozialen Gruppenarbeit. Die Teilnahme an den jeweiligen Gruppen wird individuell und unter Beteiligung der Schüler besprochen. Sie ist flexibel und kann auf den wechselnden Bedarf hin abgestimmt werden.
Die Gruppen werden grundsätzlich durch Erzieher pädagogisch geführt.
Die Teilnahme an der sozialen Gruppe ist für die Schüler unserer Privaten Schule am Internat verpflichtend. Der Unterstützungsbedarf wird mit den Eltern, dem Kind/Jugendlichen und dem zuständigen Jugendamt im Hilfeplanverfahren festgestellt.
In unserem Betreuungsangebot stehen maximal sechs Plätze für externe Schüler unserer Schule zur Verfügung. Sie gehen nach der Lernzeit, d.h. am Nachmittag, nach Hause. Das Angebot findet an fünf Tagen in der Woche statt. Für diese Schüler endet die Betreuungszeit in der Regel um 16.00 Uhr.
§ 35a SGB VIII
Ab dem Schuljahr 2021/2022 bieten wir darüber hinaus zwei Betreuungsplätze nach § 35a SGB VIII an.Diese Erweiterung unseres Angebotes ist als integrative Maßnahme konzipiert. Sie ermöglicht Schülern, am Internatsleben teilzuhaben, die aus verschiedenen Gründen und über längere Zeit hinweg zusätzliche intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung zur sozialen Integration und zur Hinführung auf eine eigenverantwortliche Lebensführung benötigen. Die Erweiterung umfasst Einzelbetreuung in verschieden Lebensbereichen und an mehreren Stunden täglich. Sie dient auch zur ausgleichenden Unterstützung während der Schulzeit, um weitere Benachteiligungen zu vermeiden bzw. diesen präventiv vorzubeugen.
Einige unserer Kinder und Jugendlichen haben über längere Zeit hinweg z.B. nicht die Schulen besuchen können. Auf ihre emotional und sozial wenig verträglichen Verhaltensweisen folgten Ausschlüsse und Verweise. Damit waren in der Regel auch die Abbrüche der sozialen Kontakte zu ihren Alterskollegen verbunden.
Im Internat erleben diese Kinder und Jugendlichen, dass auch die Anderen Schwierigkeiten haben. Sie sehen z.B. den guten Schüler, der an einer kleinen Aufgabe im Team scheitert. Dieses realitätsnahe Erleben bietet für viele schon eine kleine Korrektur für das eigene Gefühl. Es ist ein Baustein dahin, sich mit seinen Unzulänglichkeiten nicht mehr alleine zu sehen und eigene Unsicherheiten und Ängste nicht mehr so schwer zu gewichten.
Aktuell können Schüler beispielsweise nach Absprache mit den Lehrern und den Erziehern eine zeitlich definierte Auszeit vom Klassenunterricht nehmen. Sie können sagen, ob und wie lange sie tagesaktuell in der Lage sind, in ihrer Lerngruppe mitzutun. Sie brauchen nicht den Rückgriff auf geübte Muster, um ihren Befürchtungen zu entgehen. Sie können in Ruhe und mit Akzeptanz erleben, dass mit ihnen gemeinsam neue Wege gesucht und erprobt werden. Diese Angebote sind pädagogisch begleitet und an soziale, auf die Gemeinschaft hin ausgerichtete Aufgaben gebunden.
Die Kinder und Jugendlichen erfahren, dass sie wieder aktiv ihr Leben mitgestalten können. Sie lernen sich und ihre Möglichkeiten zu sehen und entwickeln im engen Verbund mit dem Erwachsenen neue Perspektiven.
Die Stärkung ihres Selbstwertgefühls ist eng an das Verstehen der Erwachsenen gebunden. Nur wenn wir die Kinder und Jugendlichen in ihrer Genese verstehen und den Sinn ihrer Verhaltensweisen erkennen, können wir ihnen behilflich sein, ihre Schritte zu tun. Dabei ist der Respekt und die Beachtung des individuellen Lernvermögens notwendig. Jeder Mensch lernt unterschiedlich. Lernen ist aus unserer Sicht ein emotional gebundener Vorgang, der Sicherheit, Mut und Vertrauen braucht. Daher sind die Unterstützungsangebote immer individuell:
- die pädagogisch begleitete Einzelförderung zur Unterstützung des Schulbesuchs am Vormittag
- die pädagogisch begleitete Einzelförderung zur Integration in die Altersgruppe
- die individuell abgestimmten Beschulungsmodelle (schulisch und außerschulisch) zur Hinführung auf die Teilhabe am Unterricht
- die Überbrückungsmodelle zur Bearbeitung von Schulverweigerung, Schulängsten etc.
- die Einzelförderung zur notwendigen Festigung der Vertrauensbeziehung zum Erwachsenen als Grundlage für das emotionale Lernen, den Schritt „vom Ich zum Du“
- die begleitete Teilhabe im sozialen Miteinander zur Überwindung der sozialen Isolation
- die familiengestützte Betreuung im Internat mit intensiver Begleitung, Teilhabe und Unterstützung der Bezugspersonen, um die Lernerfahrungen auch im häuslichen Umfeld weiterzuführen
- der Kriseninterventionsdienst mit telefonischer Erreichbarkeit in den Ferien und der Option der aufsuchenden Unterstützung
- die Unterstützung und Teilhabe an medizinischen und therapeutisch notwendigen Maßnahmen.
Im Aufnahmeverfahren sind die individuellen Ressourcen des Kindes/Jugendlichen und die Möglichkeiten zur Veränderung im unmittelbaren familiären und sozialen Umfeld abzuwägen. Letzteres ist entscheidend, da die Kinder und Jugendlichen die Ferien grundsätzlich zu Hause oder an einem anderen für sie bestimmten Ort verbringen.
Viele unserer Schüler haben über Jahre hin den Mut zum Lernen verloren, was oft mit einem Gefühl des Versagens und der persönlichen Unzulänglichkeit einher geht. Die gute Bewältigung altersangemessener schulischer und sozialer Aufgaben ist daher für ihre weitere Entwicklung von großer Bedeutung. Dabei ist eine individuelle und sorgfältig abgestimmte Form der Ermutigung und Begleitung unerlässlich. Im engen Austausch mit allen beteiligten Fachkräften, hier insbesondere auch mit den Lehrern und den Therapeuten, erhalten sie die pädagogisch notwendige Unterstützung und Förderung.

Unsere Kinder und Jugendlichen fahren in der Regel nur in den Schulferien nach Hause. Dafür sind an den Wochenenden die Eltern eingeladen, sich nach ihren Möglichkeiten am Internatsleben zu beteiligen. Sie besuchen ihre Kinder und Jugendlichen und gestalten den Tag mit. So ergeben sich viele Gelegenheiten zum Austausch und zum Lernen in der Praxis. Unsere Eltern nehmen das Angebot gerne an und sind auch in der Vorbereitung der jahreszeitlichen Dekoration und von unseren Festen engagiert.
Folgende Kriterien sind für eine Aufnahme in das Internat und/oder das Schülerwohnheim entscheidend:
- Die Bereitschaft und die Möglichkeit der Erziehungsberechtigten/Eltern zur Zusammenarbeit
- Die Akzeptanz und Unterstützung der Konzeption durch die Erziehungsberechtigten/Eltern, dokumentiert durch die gemeinsamen Gespräche und die aktive Teilhabe am Internatsgeschehen
- Die Bereitschaft und die Fähigkeit, das bisherige Erziehungsverhalten zu überdenken und ggf. zu korrigieren
- Die Offenlegung aller für die Arbeit mit dem jungen Menschen relevanten Informationen durch die Eltern/ Bezugspersonen/ Jugendämter
- Die Bereitschaft des Jugendlichen, sich auf die Regeln des Internats einzulassen, ebenfalls dokumentiert durch seine Unterschrift
- Die Sicherung der Betreuung während der Schulferien durch die Eltern oder das zuständige Jugendamt
Als Internat- und Schülerwohnheim sehen wir in der individuell gestalteten und intensiv begleiteten Lernförderung eine Möglichkeit, Kinder und Jugendliche zu unterstützen, deren Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist oder bei denen eine solche Beeinträchtigung zu erwarten ist.
Leben ist Lernen. Dieser Leitsatz steht für unser integratives Konzept..